Stadtschulpflegschaft Aachen

- Die Sprechergruppe -

Aachen, den 30.April 2009

Standpunkt

7 Forderungen an Stadtrat und Schulverwaltung

Zum Thema der eventuellen Zusammenlegung der Schulen Hauptschule Aretzstrasse, Hugo-Junckers-Realschule und des Geschwister-Scholl-Gymnasiums zu einer 4. Aachener Gesamtschule.

In Vertretung der Interessen Aachener Eltern von Schulkindern, wozu wir demokratisch legitimiert und somit beauftragt sind, stellen wir nach Sachklärung und intensiver Diskussion hierzu fest:

Die Gründung einer 4.Aachener Gesamtschule im Aachener Ostviertel soll nach derzeitigem Stand die Schließung der oben genannten 3 Schulen in der Folge nach sich ziehen. Alle 3 Schulen haben in den letzten Jahren spezifische, genau auf ihre Schülersituation und die Situation des Ostviertels zugeschnittene Konzepte entwickelt und mit teils überregional anerkanntem Erfolg (> Hauptschule Aretzstrasse) umgesetzt.

Gerade die schwierige soziale Situation im Aachener Ostviertel bedarf einer besonders aufmerksamen Differenzierung der Situationen der Kinder, auf die seitens der Schulen auch im Besonderen pädagogisch eingegangen werden muß. In genau diesem Sinne haben die 3 Schulen ein differenziertes, aber in jedem Fall durchdachtes und praxiserprobtes Angebot erarbeitet.

Solcher, pragmatischer und zielgruppenorientierter Differenzierung steht ein integrativer Ansatz, bei dem eine anstatt drei Schulen mit einer anstatt drei Leitungen, die zeitgleich allen Betroffenen mit ihren unterschiedlichsten Sachlagen gerecht werden soll, womöglich entgegen.

Es ist davon auszugehen, dass diese eher zentrale Einrichtung zunächst mit der Ausdifferenzierung und dem Erreichen der betroffenen Menschen überfordert wäre.

Mindestens für viele Jahre würde ein Verlust an Schulqualität, an Aufgehoben-Sein für die Schüler und an Identifikation mit Vertrautem für die Eltern gerade im Aachener Ostviertel gegeben sein.

Hieraus erwachsen ebenso negative Folgen für die Eltern außerhalb des Aachener Ostviertels: Eltern und Kinder, die sich im Aachener Ostviertel und der neuen Schule nicht mehr gut angenommen sehen, würden zwangsweise einen hohen Druck entwickeln, außerhalb des Ostviertels zur Schule zu gehen. Da bereits heute übliche Praxis ist, das gerade Hauptschüler und schwächere Realschüler es schwer haben, von den bereits bestehenden Gesamtschulen in Nähe des Ostviertels angenommen zu werden, muss befürchtet werden, dass gerade diese Schüler zu anderen Schulen außerhalb des Ostviertels abwandern.

Die bisherige Vorgehensweise mit dem Thema ist aus Sicht der Aachener Eltern und Kinder als unsensibel und undemokratisch zu bezeichnen. Unmittelbar vor den Schulosterferien, in denen viele Eltern schulpflichtiger Kinder verreisen, wurde das Vorhaben der Öffentlichkeit mitgeteilt, mit der Fristsetzung zur Ratsentscheidung so kurz danach, das kaum Zeit zur Auseinandersetzung und vor allem zum gründlichen Erarbeiten einer stimmigen Konzeption bleibt. Die jetzt angekündigte Verschiebung des Ratsbeschlusses auf den 26.Juni kommt dem nur teilweise entgegen, denn eine sachgemäße Erarbeitung eines durchdachten und mit den Betroffenen kommunizierten Konzepts innerhalb von nur zwei Monaten muss fraglich erscheinen.

Hier werden lebensprägende Entscheidungen für junge Menschen in wenigen Wochen politisch zur Umsetzung gebracht. Zuerst muss ein Konzept ausgereift sein, bevor es zur Entscheidung gebracht wird. Auch muss das Konzept im Detail bekannt sein, damit man weiß, worüber man entscheidet.

So aber muss der Eindruck entstehen, das im Grunde wegen vorgefaßter politischer Positionen und ideologischer Standpunkte eine Entscheidung nicht der Sache nach, sondern eben der Durchsetzung von Parteienpolitik nach erfolgt.

Es stellt sich so, wie derzeit verfahren wird, die Frage, ob hier nicht im Eigentlichen eine politisch-ideologisch verbrämte Sparmaßnahme umgesetzt werden soll, der tatsächlich nachgewiesene Best-Practice-Beispiele geopfert würden.-

Wir fordern:

1. In mehr pädagogische und schulische Innovations-Kompetenz zu investieren, entlang den von den 3 Schulen aufgezeigten Wegen und den Erkenntnissen aus dem vorliegenden Gutachten, sowie dem Schulentwicklungsplan – anstatt in eine nicht zu Ende gedachte Umgestaltung des Schul-Systems im Ostviertel mit kaum absehbaren organisatorischen und sozialen Folgekosten.

2. Den vorliegenden Kooperationsvorschlag der 3 betroffenen Schulen in diesem Sinne so weiterzuentwickeln, dass er genehmigungsfähig werde.

3. Zuerst ein konkretes Konzept im Detail vorzulegen und öffentlich an alle Betroffenen zu kommunizieren, bevor Entscheidungen getroffen oder vorweg beeinflusst werden.

4. Die Finanzierung der letztlich entschiedenen Maßnahmen vorab zu untersuchen und öffentlich darzulegen. Wer finanziert letzten Endes dieses Vorhaben ? Soweit es das Land NRW sein wird, sollte sodann vorab eine Abstimmung mit den dort bestehenden Meinungsbildnern abgesichert und kommuniziert sein.

5. Betroffene zu Beteiligten zu machen: die Eltern, die Schüler und die gerade hier oft hoch engagiert und erfolgreich wirkenden Schulleiter und -Mitarbeiter müssen mit ihren Erfahrungen, Erkenntnissen und tatsächlichen Bedürfnissen in die Gestaltung der Entscheidung einbezogen werden. Dies kann nicht ausreichend erfolgen in nun notgedrungener Weise einberufenen „runden Tischen“, die offensichtlich nicht Bestandteil einer durchdachten Vorgehensweise waren, sondern eher ein „Notstopfen“ mit Alibifunktion.

6. Hieraus folgert : die Schulleiter, die Schulpflegschaftsvorsitzenden und die Schülervertreter müssen nicht nur „gehört“ werden, sie müssen maßgebliche Impulsgeber der richtigen Dauerlösung sein und sich mit der endgültigen Lösung einverstanden zeigen.

7. Die Stadtschulpflegschaft hat aus der Breite der von ihr vertretenen Schulpflegschaften in den letzten Monaten einen Fragebogen an alle Aachener Schuleltern entwickelt, der zu Anfang Mai in Umlauf gebracht wird und den Elternwillen zu einigen zentralen Fragen erheben wird. Die Ergebnisse dieses Fragebogens müssen zur Versachlichung der Diskussion und zur Absicherung des Erreichens des Willens der Schuleltern dieser Stadt abgewartet werden. Die Ergebnisse werden voraussichtlich gegen Ende Juni vorliegen.

Gez. die Sprechergruppe der Stadtschulpflegschaft Aachen.